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Bewegte und bewegende Grenzerfahrungen
Theaterprojekt im Studentischen Kulturzentrum unter Regie von Bruno Wallisch
Auf der leeren Bühne gehen Menschen in Wintermänteln umher - viele schnell, manche langsamer, den Kragen hochgeschlagen: Jeder für sich, ohne andere zu
beachten. Nur eine schaut sich verwundert wie ein fremdes Wesen jeden einzelnen dieser verschlossenen Kreaturen an, die in allerlei Sprachen in ihre Handys
brabbeln - eine Szene aus dem neuen Projekt des Ensembles des Studentischen Kulturzentrums unter der Regie des professionellen Theatermachers Bruno
Wallisch. Titel: "Out of border" - ein Wortspiel, in dem sowohl ein Nichtmehr - Funktionieren (Out of order) als auch Grenzen (border) hörbar werden. "Es geht
um Grenzerfahrungen", sagt Wallisch, dessen vielfältige Interessen in diesem rund einstündigen Stück durch sorgfältig ausgewählte, begleitende (Welt-)Musik
sowie mit wenigen, aber akzentuiert gesetzten Texten von Büchner, Mnouchkine, Mühsam, und anderen durch ein junges, internationales Ensemble spürbar
werden. Es gibt keinen dramaturgischen roten Faden, jeder der Zuschauer kann seine eigenen Assoziationen aus dem bewegten wie auch bewegenden
Geschehen ziehen. Zu Anfang wird mit den als Infokarten der kreditvergebenden "Landesstudienbank" getarnten Programmzetteln die Studentenkultur lediglich
als Ausgangspunkt gesetzt, der in dem von Frank Walter humorvoll geschriebenen Sketch "Eine Studentin kommt auf die Bank" seinen Höhepunkt findet. Dem
engagiert-konzentrierten, homogenen Ensemble merkt man die vielen, in nur wenigen Wochen erlernten Bewegungsübungen anhand der gut beherrschten Körper sowie das Achten auf Diktion und Ausdruck an.
An einigen Stellen hätte die Choreografie etwas gestrafft werden können, dennoch liefert Wallisch anregendes, oft politisches, durchdachtes und trotzdem verspieltes Bewegungstheater. Sicher werden die
durch die Verbindung der Gruppe zu Polen und Frankreich geplanten Gastspiele im Ausland ebenso gut ankommen wie beim Karlsruher Publikum. (ab, Badische Neueste Nachrichten, 14.01.06)
Teddy liefert Terr or pur - Studentische Theatergruppe und Mark Medoffs “Red Ryder”
Dass der amerikanische Traum für die meisten ein Alptraum ist, ist bekannt. Doch was geschieht, wenn zwei aufeinander treffen, von denen einer diesen
Traum von Freiheit und Abenteuer nur träumt, der andere ihn aber scheinbar verwirklicht? Mehr noch, wenn dieser andere ein sadistischer Psychopath ist? Die
Theatergruppe des Studentischen Kulturzentrums der Universität Karlsruhe hat sich mit “Red Ryder” von Mark Medoff ein komplexes und schwieriges Stück
vorgenommen. Denn was sich in der herunter gekommenen Bar irgendwo in der Wüste abspielt, nachdem Teddy den Laden betreten hat, ist Terror pur.
Dominik Fraßmann als Teddy provoziert, demütigt und verletzt ultracool die Angestellten und wenigen Gäste und seziert nebenbei sämtliche ihrer
Schwachstellen: Am Ende hat jeder eine Leiche im Keller....Naturalistisch bis ins Detail (gekocht und gegessen wird live) hat Bruno Wallisch das von Martin
Walser übersetzte Stück aus dem Jahre 1973 inszeniert. Der Verzicht auf jede Verfremdung macht das drastische Stück erst recht zu einem Zerrbild von
Freiheit, Selbstbestimmung und der Vergötterung falscher Helden - “Red Ryder” ist und bleibt eine Comic-Figur.... (maske, Badische Neueste Nachrichten, 01.03.2004)
Jeder schiebt die Schuld auf den Nächsten - Iwwerzwerch-Theater feierte Premiere mit dem “jüngsten Tag” von Ödön von Horvath
...Regisseur Bruno Wallisch entlockte dem kleinen Saal des Gemeindehauses durch das nur angedeutete, mit Symbolen arbeitende Bühnenbild die unterschiedlichsten Szenenbilder. Es entstehen mit den
spärlichsten Requisiten ein Bahnhof, ein Wirtshaus, eine Apotheke. So wurde der Zuschauer gezwungen, sich ganz auf seine Vorstellungskraft zu verlassen, und sich auf das Spiel der Darsteller zu
konzentrieren.... (Julia Hähnel, Badische Neueste Nachrichten, 27.10.2003)
Iwwerzwerchtheater hatte Premiere mit "Woyzeck" Ausdrucksstarkes Theater auf das Spiel und das Wort reduziert Weitere Aufführungen am Wochenende in St.Anton in Bruchsal
Geduldig rasiert er seinen Hauptmann und stopft Unmengen von Erbsen in sich hinein, um der Wissenschaft willen, ja, doch mehr des finanziellen Zubrots wegen. Georg Büchners "Woyzeck", Soldat und Barbier,
ist von niedrigen Stand, einfach und arm, umhergestoßen und ausgebeutet. Auch hat er einen Hang zum Übersinnlichen, hört Stimmen, sieht Bilder am Horizont. Vielleicht ist er in seinem groben Wesen sogar
besonders feinfühlig für die Natur, von der er immer wieder spricht. Und er spürt genau, wie sehr die einfachen Menschen unter den gehobenen Ständen zu leiden haben, wie sehr das arme Volk von den
Reichen benutzt wird: Woyzeck denkt viel, zu viel, wie der Hauptmann befindet: "Das zehrt."
Büchners Fragment des "Woyzeck" ist eine Studie der unteren menschlichen Schicht, eine unmissverständliche Fürsprache für sie und eine Karikatur der höher gestellten Stände. Ein Werk, das seinem Regisseur
zwar viele Möglichkeiten eröffnet, andererseits aber von ihm ebenso viel abverlangt wie seinen Schauspielern. Das "Iwwerzwerchtheater" Bruchsal hat sich zu seinem 20.Geburtstag diesen "Woyzeck"
ausgesucht, bearbeitet von Bruno Wallisch, der einigen noch aus seiner Zeit im Ensemble der Badischen Landesbühne bekannt sein dürfte.
Die Bühne ist schwarzer Raum mit schwarzem Boden, hinten sitzen die Akteure auf weißen Stühlen. Vor ihnen spielt sich das Geschehen ab, mit spartanischen Requisiten. Wallisch hat die Bühne auf das
Wesentliche und "Woyzeck" auf sich selbst, auf das Spiel und das Wort reduziert. Passend zum Expressionismus, der sich weg bewegte vom Konventionellen, vom äußeren Erleben, wird dadurch Platz
geschaffen, für das innere Erleben der aussdruckstarken Szenen und der eindringlichen Sprache, Platz für eigene, spontane Gefühle des Zuschauers.
"Ich möchte Theater machen mit seinen ureigenen Mitteln", sagt Wallisch. Und das ist ihm mit seiner Iwwerzwerch-Inszenierung sehr eindrucksvoll gelungen. Auch dank eines überaus homogenen Ensembles,
das, anders als viele andere Amateurtheatergruppen, erfreulicherweise keine Probleme mit der Aussprache hat.
Doris Werner-Igneci zeichnet eine fürsorgliche, gefühlvolle Marie, die unschuldig-schuldig den Geschenken des strammen Tambourmajors (Bruno Bayer) verfällt. Sonja Schott verleiht der Ärztin, die den
"interessanten Kasus" Woyzeck behandelt wie ein Züchter seine Tiere, raffiniert schizophrene Züge, die an Dürrenmatts Irrenärztin bei den "Physikern" erinnern. Elmar Sauter macht aus dem Hauptmann
gekonnt eine lächerlich wirkende Figur, die sich von Woyzeck tragen lassen muss und die es satt hat länger "ein Mühlrad" zu sein. Und Volker Langenbacher erweckt einen naiven, mit großen, fragenden, ja
ängstlichen Augen in die Welt der Herrschenden starrenden Woyzeck zum Leben.
Ein sehr intensiver Theaterabend, dem bei den nächsten Aufführungen am 26., 27. und 28. April, um 20 Uhr im Gemeindesaal St.Anton freilich mehr Zuschauer zu wünschen sind als bei der Premiere. (Pia Hendel, BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN, 23.4.2002 )
Projekttage Schellingschule (Hauptschule), Leonberg
Konzentration ist wichtige Voraussetzung fürs Spielen ... Auf Konzentration und Wachsamkeit legte auch Schauspieler und Musiker Bruno Wallisch bei der viertägigen Beschäftigung mit dem Theaterspiel
großen Wert. Seine Gruppe imponierte durch die Ruhe und Stille der Darbietung: Ausdrucksstarke Körperbewegung stand im Mittelpunkt der Aufführung. “Viele können heute ihren Körper gar nicht mehr richtig
bewegen”, hat Wallisch beobachtet. “Anstatt sich in der Hüfte zu bewegen, gingen sie einen Schritt nach hinten”, erzählte der Schauspieler von einer Übung, bei der es darum ging, dem Gegenüber
auszuweichen. Wenngleich er Ausdruck und Bewegung in den Mittelpunkt der Arbeit stellte, verlangte er weit mehr von den Schülern: “Ausweichen heißt auch den Partner vor, hinter und neben sich selbst zu beobachten..” (LEONBERGER KREISZEITUNG, 26.6.00)
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